Thema

„Industriestandort Schweiz“

Unter dem Thema „Industriestandort Schweiz“ sollen die wichtigsten Aspekte für den zukünftigen Erfolg der Schweizer Volkswirtschaft und der hier ansässigen Industrieunternehmen diskutiert werden.

Seit Ausbruch der Finanzkrise kam es zu massiven Währungsschwankungen. Wohingegen Euro und Dollar sich auf einer Achterbahnfahrt langsam aber stetig abgewertet haben, kannte der Schweizer Franken über die letzten Monate nur eine Richtung: nach oben. Der Eingriff der Schweizer Nationalbank reiht sich nahtlos in die Turbulenzen auf den Währungsmärkten ein.

Gleichzeitig sehen sich die Schweizer Industrieunternehmen weiteren Herausforderungen gegenüber. Dies spiegelt sich bspw. darin, dass China vermehrt auch in andere Schwellenländer exportiert und damit Industrieunternehmen aus den westlichen Ländern auf deren wichtigsten Wachstumsmärkten Konkurrenz macht. Des Weiteren holt China bei High-Tech-Produkten – mit grosszügiger Unterstützung des chinesischen Staates – in grossen Schritten auf und kann nicht mehr als Exporteur billiger Waren ignoriert werden. Vor dem Hintergrund dieser fundamentalen Entwicklungen stellt sich eine zentrale Frage für die Schweizer Industrie:

Ist das Innovieren und Produzieren in einem Hochpreisland wie der Schweiz ein Auslaufmodell?

“Die Schweizer Industrieunternehmen werden aufgrund der Unwägbarkeiten der Währungsentwicklungen in nächster Zeit noch stärker gefordert sein als in den vergangenen Jahren. Verstärktes “natural hedging” für den internationalen Marktausbau wird unumgänglich sein. Der Industriestandort Schweiz wird dann nicht darunter leiden, wenn die Unternehmen, wie bis anhin, die Produktinnovation und die Fertigung der komplexen Produktkomponenten in der Schweiz belassen. Die Schweiz ist mit ihren weltführenden technischen Universitäten, dem dualen Bildungssystem, dem offenen Arbeitsmarkt und der hohen Arbeitsmoral der Mitarbeitenden bestens positioniert, um den Industriestandort Schweiz auch zukünftig kompetitiv zu behalten.” Urs Landolf

Die zunehmende Verschiebung der Märkte hin zu den Schwellenländern erhöht die Exportabhängigkeit der Schweizer Industrie und gleichzeitig holen die billig produzierenden Konkurrenten hinsichtlich der Technologie massiv auf. Damit muss man die Frage stellen, wo die Schweizer Industrie in Zukunft ihren Wettbewerbsvorteil sieht und wie sie mit diesen Unsicherheiten umgehen kann.

Markus Akermann, CEO und Verwaltungsratsmitglied der Holcim Ltd., zum Industriestandort Schweiz

“Gute Rahmenbedingungen am Standort Schweiz sind für Holcim von vitalem Interesse.

Als führender Baustoffproduzent sind wir bestrebt, unsere Kunden langfristig mit einem hochwertigen, innovativen und umweltschonenden Produkt- und Serviceangebot aus lokaler Produktion zu bedienen.

Unsere Werke in der Schweiz gehören zu den effizientesten Produktionsstätten im Konzern. Sie belegen im internen Vergleich regelmässig Spitzenplätze. Dies ist nur mit hochqualifizierten Mitarbeitern auf allen Stufen möglich, nicht nur in der Produktion, sondern auch in den Konzernstäben und unseren Servicebereichen, die unsere Gesellschaften rund um die Welt, weiterhin massgeblich aus der Schweiz heraus, betreuen und beraten.

Die Schweiz bietet heute beste Voraussetzung für Spitzenforschung und bietet, u.a. an der HSG, erstklassige Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Dies ist einer der Heimvorteile für Holcim.

Die Symbiose zwischen Theorie und Praxis, der bereits intensive Austausch zwischen Industrie, Forschung und Lehre kann und muss weiter vertieft werden. Spitzenleistung bedingt Kooperation und interdisziplinäres Vorgehen.

Nur so wird Holcim auch noch in zehn Jahren hier in der Schweiz weltoffenen, zum holistischen Denken ausgebildeten, Nachwuchskräften die gleichen Karriereeinstiegsmöglichkeiten bieten können, wie das heute der Fall ist. Nur so werden wir das hohe Wohlstandsniveau unseres Landes im weltweiten Wettbewerb erhalten.”

Welche sind die grössten Herausforderungen im europäischen und globalen Umfeld und wie gehen Industrieunternehmen damit um?

Die Schweiz muss sich also nicht nur durch hervorragende technologische Fähigkeiten auszeichnen, sondern auch durch strategische Weitsicht und einer Evaluierung der globalen Herausforderungen. Damit muss es zu einer „Symbiose zwischen Theorie und Praxis“ sowie einem interdisziplinären Herangehen kommen. In diesem Zusammenhang wird die Frage gestellt, welchen Beitrage HSGler mit Ihren Kompetenzen in der Industrie leisten können.

Interview mit Philip Mosimann zum Industriestandort Schweiz

Welches sind die grössten zukünftigen Herausforderungen für die Schweizer Industrie?

Die Schweizer Industrie ist stark Export orientiert, weshalb dem Erhalt der internationalen Konkurrenzfähigkeit grösste Bedeutung zukommt. Der hohe Wohlstand in der Schweiz bringt auch hohe Arbeits- und Infrastrukturkosten mit sich. Die politische Stabilität und der relativ gesehen gesunde Staatshaushalt machen den Schweizer Franken stark. In diesem Umfeld muss die Industrie durch eine hohe Dynamik bei Innovation, höchste Effizienz und Produktivität sowie ausgeprägte Zuverlässigkeit sich langfristig ausweisen.

Ist der Industriestandort Schweiz ein Auslaufmodell?

Nein, auf keinen Fall. Die soeben beschriebenen Aktivitäten waren in der Vergangenheit ein Erfolgsmodell und werden es auch in der Zukunft bleiben. Zudem kann der Werkplatz Schweiz auf Fachkräfte mit einer Arbeitsmoral und Firmenidentifikation zurückgreifen, die weltweit keinen Vergleich zu scheuen braucht. Die langfristige industrielle Ausrichtung bedarf einer hohen Konstanz und Beharrlichkeit bei gleichzeitiger Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit. Eine anspruchsvolle Aufgabe auf einem schmalen Grat. Ich habe volles Vertrauen, dass die Schweizer Industrie diese Herausforderung meistern wird.

Wie steigert Bucher Industries kontinuierlich die eigene Wettbewerbsfähigkeit in diesem anspruchsvollen Umfeld?

Im Wesentlichen beruht unsere Arbeit auf drei Pfeilern: Innovation, Produktivität und Internationalität. Bei der Innovation kommt es auf die Kreativität und die Kontinuität an. Wir haben während der Finanzkrise die F&E Ausgaben nicht um einen Franken gekürzt. Selbst langfristige Projekte, wie dasjenige des Wasserstoff – Brennstoffzellen Kompaktkehrfahrzeugs oder der „unzerbrechlichen“ Glasflasche setzten wir uneingeschränkt fort. Die Steigerung der Produktivität erreichen wir mit Investitionen in modernste Produktionsmittel und hohem Automatisierungsgrad. Die Arbeitsprozesse verbessern wir durch Methoden von Kaizen und erreichen dadurch enorme Verbesserungen von bis zu 30%. Arbeitsschritte mit hoher Wertschöpfung bleiben in der Schweiz, solche mit tiefen werden ausgelagert. Ähnlich verhält es sich bei den Einkaufsteilen. Der dritte Pfeiler basiert auf der weltweiten Marktpräsenz, damit wir die Produkte auch in genügenden Stückzahlen verkaufen können. Über Generationen hinweg erreichten wir bei den Fruchtsaft- und Weinproduktionsanlagen, Heuernte- und Futtermaschinen sowie Glasformungsmaschinen den Weltmeistertitel bezüglich Marktanteile.

Führungspositionen in Industriebetrieben verlangen ein gewisses technisches Verständnis der zugrunde liegenden Geschäftstätigkeit. Sind HSG Absolventen überhaupt brauchbar in der Industrie?

Interessante Frage. Wir brauchen HSG Absolventen mit betriebswirtschaftlichem Tiefgang und einem Flair für handfeste Produkte. Wie sonst könnten wir unsere Kostenstrukturen in der Organisation und den Produktkosten laufend optimieren. Bei Bucher sind die Topstellen des Konzernfinanzchefs, der Leiter Konzernentwicklung, Controlling und Treasury sowie die Finanzchefs der Divisionen alle mit Persönlichkeiten des HSG Profils besetzt. Dies ist bei anderen grossen Industriefirmen nicht anders. Bei KMUs werden neben den finanziellen Aufgaben zusätzliche Aufgaben wie Informatik, Personal und Infrastruktur der gleichen Person aufgetragen.

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